"Treue ist ein kulturelles
Produkt, sie entspricht nicht unserer Natur", behauptet Prof. Ulrich
Clement im Interview mit dem G+J-Frauenmagazin EMOTION. Der Autor des in Kürze erscheinenden Buchs "Wenn
Liebe fremdgeht" bezeichnet Fremdgehen als "lebendiges Ereignis
zwischen Menschen, aus dem man etwas machen kann". Nicht in jeder
Paar-Beziehung sei etwas faul, wenn einer fremdgehe. Das könne sogar
in einer "wunderbaren Phase" passieren, aus Übermut oder aus einer
Verführungssituation heraus.
Seitensprünge zu beichten, hält Clement nicht unbedingt für
notwenig. "Aber wer fremdgeht, muss Verantwortung für das übernehmen,
was er getan hat", betont er. "Oft werden Geständnisse nur gemacht,
weil man sein schlechtes Gewissen entlasten will." Das sei unfair.
Demjenigen, der hintergangen worden ist, empfiehlt der Professor,
Ruhe zu bewahren. "Natürlich bin ich erst mal verletzt. Aber
Kränkungen lassen nach, deshalb sollte ich nach ein paar Tagen
überlegen, was es wirklich für mich heißt, dass mein Partner eine
Faszination für einen Dritten entwickelt hat." Die Kunst bestehe
darin zu sagen: "Ich kann nicht alles bieten, und ich akzeptiere,
dass mein Partner irgendwo Feuer gefangen hat." Das geht laut
Clement, wenn die Loyalität nicht gefährdet ist.
