Wer sich nach stressfreier
Zweisamkeit und entspanntem Gleichklang sehnt, gilt schnell als
konfliktscheu. Die Paartherapeutin Berit Brockhausen hält dagegen:
Harmoniesucht in der Liebe macht glücklich. In ihrem soeben
erschienenen Buch "Du hast Recht und ich meine Ruhe? Effektive
Beziehungsstrategien für Konfliktscheue" zeigt die Berliner
Psychologin, warum Harmoniesucht eigentlich eine verkannte Kunst ist
und wie sie sich zur Lösung von Konflikten kultivieren lässt.
"Diskussionen bringen nicht immer etwas", betont Brockhausen im
Interview mit dem G+J-Magazin EMOTION. "Manchmal ist es für die Harmonie tatsächlich besser, eine
Störung zu übergehen, als ihr durch ein - vielleicht sogar
unglücklich verlaufendes - Problemgespräch zu viel Gewicht zu geben
und so mitunter größere Missverständnisse zu schaffen als die, die
man ausräumen wollte."
In einer Beziehung könne man viele Spannungen einfach stehen
lassen und abwarten, ob sie sich von selbst auflösen. "Sie können sie
zum Beispiel relativieren, indem Sie sich sagen, dass die Laune des
anderen nichts mit Ihnen zu tun hat. Sie können auch bewusst die
Stimmung verbessern, indem Sie sich auf die Lösung des Problems
konzentrieren, statt darüber zu streiten, wer schuld daran ist", sagt
die Therapeutin. "Oder Sie ziehen sich erst mal zurück." Das seien
Strategien, die "harmoniesüchtige" Menschen intuitiv anwenden. "Wenn
so die Spannung abnimmt - wunderbar!"
Manchen Konflikten müsse man sich allerdings stellen, räumt die
Expertin ein. "Insbesondere, wenn Sie spüren, dass sich in Ihnen
Groll ansammelt." Dann empfehle es sich, "klar und direkt" zu sein.
Berit Brockhausen: "Lassen Sie spitze Bemerkungen und Beschwerden weg
und sprechen Sie den Partner konkret an: ,Ich möchte mit dir
gemeinsam eine gute Lösung finden. Wann hast du Zeit, mit mir zu
sprechen?'" Wichtig sei, im Auge zu behalten, "dass Sie Partner und
nicht Gegner sind".
